Meinungsfreiheit und Selbstbestimmung


Es gibt mehr als nur trans


July 17, 2026

Ich habe in früheren Texten immer wieder darauf hingewiesen, dass es eigentlich nicht Sache des Staates sein kann, vorzugeben, wie Gendernonkonformität individuell interpretiert werden kann oder soll. In einer Diskussion mit dem deutschen Influencer Simxn_Simxn auf Instagram ist dieser Punkt nun schlagend geworden, und es war an der Zeit, genauer darüber nachzudenken. 

Bestandsaufnahme 

Es gilt mitunter als die vernünftige und sachliche Position in der Transdebatte, davon auszugehen, dass es Männer gibt, die einfach Männer sind, Frauen, die einfach Frauen sind, und dann eine verschwindend kleine Minderheit, die trans ist und sehr darunter leidet. Für diese letzte Gruppe ist es aufgrund ihrer Kleinheit unproblematisch, Ausnahmen und situationsflexible Lösungen zu finden. In dieser Denke, die im Wesentlichen in den 1970er-/80er-Jahren entstand, ist die Bedeutungsänderung des Geschlechtseintrags im Melderegister und in Dokumenten von einem biologischen Begriff hin zu einem sozialen/ästhetischen kein Problem. Denn für die Mehrheit der Menschen, d. h. bei denen sich Biologie und Soziales treffen, ändert sich nur, welcher Aspekt hervorgehoben wird, und trans Menschen werden voll akzeptiert. Beispiele für eine solche Position gibt es viele. In Deutschland ist am prominentesten der ehemalige Queer-Beauftragte des Deutschen Bundestages Sven Lehmann, der das deutsche Selbstbestimmungsgesetz in diesem Geiste angepriesen hat. In Österreich war es Julia Wenzel, die so eine Position in einem Artikel in Die Presse vertrat.
Der Grund für diese Missinterpretation ist der fehlende Zugang zur Lebensrealität der LGBT-Community und die Überinterpretation der politischen Parolen aus der Schwulenrechtsbewegung. Zusammengefasst: „Schwule sind ganz normale Männer“ und „Dieses Tuntige ist nur ein Klischee“ traf auf „Transfrauen sind Frauen“ und gab sich die Hand.
Dass diese einfache Denke falsch ist, zeigen die Zahlen aus Deutschland, wie oft das Selbstbestimmungsgesetz zur Anwendung kam. Bei der Kritik am Selbstbestimmungsgesetz kommen bei diesen Zahlen oft Männer zur Sprache, die das Selbstbestimmungsgesetz „ausnutzen“, um sich Zugang zu Frauenschutzräumen zu verschaffen. Dieser Aspekt interessiert mich hier jedoch nicht; überhaupt überlasse ich den ganzen Themenkomplex Feminismus jenen, die sich damit auskennen: den Frauenrechtlerinnen.
Mich interessiert hier der Zusammenhang, dass, wenn das Selbstbestimmungsgesetz mehr Menschen betrifft als nur trans Menschen, die Interpretation des Geschlechtswechsels nicht nur der bevorzugten Auslegung der trans Community folgen darf, sondern mehr Platz für Vielfalt haben muss. Wenn der Staat trans Menschen die Möglichkeit gibt, ihre geschlechtsbezogene Lebensweise vor ihre Biologie zu rücken, dann muss er diese Möglichkeit allen geben. Das Zentrale Melderegister bzw. das Recht, dort einen Eintrag zu ändern, kann sich nicht darauf beschränken, ein Affirmationsritual für die Geschlechtsidentität von trans Menschen zu sein, so à la Erstkommunion für trans Menschen. Die Erkenntnis des deutschen Verfassungsgerichts, dass der Staat für den Geschlechtswechsel keine Operation verlangen darf, ist dabei nur einer von vielen Aspekten, den der Leser immer im Hinterkopf halten sollte. Mir geht es hier aber nicht um die juristischen Konstruktionen von Meinungsfreiheit und Selbstbestimmung in den Gesetzestexten einzelner Staaten, sondern um diese Werte im Sinne einer liberalen und offenen Gesellschaft. 
Nur vorweg: Meine Position war, ist und wird bleiben, dass es für alle besser gewesen wäre, wenn die Bedeutung des Geschlechtseintrags beim biologischen Geschlecht geblieben wäre und wir statt an Gesetzen für einen Geschlechtseintragswechsel besser an Gesetzen gearbeitet hätten, die Männer, die gendernonkonform im Berufs- und Privaten oder bezogen auf die Pflichten der Gesellschaft leben, vor Diskriminierung gegenüber Frauen schützen. Konkret: Kleidungsstücke, die handelsüblich für Frauen sind, sollten auch dann kein Problem darstellen, wenn Männer sie tragen. Die Befreiung vom Wehrdienst (nicht nur Präsenzdienst) aufgrund von Kinderbetreuungspflichten ist für Frauen ein Automatismus, für Männer aber nur nach individueller Prüfung möglich. 

Eine Debatte mit einem Influencer 

Aber kommen wir zuerst einmal zum Kick-off: meinem Gespräch mit dem Instagram-Influencer Simxn_Simxn. Dieser hat am 13. Juli ein Reel auf Instagram online gestellt, in dem er beklagt, dass sich Männer weiterhin als heterosexuell identifizieren, solange sie lediglich mit Twinks oder Femboys Sex hätten. Nennen wir diese Männer ab jetzt Männer_FM (FM für feminine males). Der Grund für seine Kritik war dabei zweiseitig: Zum einen beklagte er die internalisierte Homophobie, zum anderen das „patriarchale“ Männerbild, das von Männern verlangt, gewissen ästhetischen Normen zu folgen, die Twinks und Femboys nicht hätten und sie damit vom Mann-Sein ausschlössen.
Ich gab ihm recht, habe aber angemerkt, dass dies dann natürlich auch für Männer gilt, die nur mit trans Frauen schlafen. Der Grund für meine Anmerkung war, dass Männer_FM tatsächlich ein weit verbreitetes Phänomen auf schwulen Datingplattformen sind und dabei nicht zwischen Twinks, Femboys oder trans Frauen unterscheiden. D. h., diese Profile akzeptieren in den meisten Fällen immer alle drei Gruppen als mögliche Sexualpartner und suchen auch ganz explizit nach allen drei Gruppen gleichzeitig.
Die Diskussion war dann schnell zu Ende. Simxn_Simxn versteifte sich auf die Aussage: „Geschlechtsausdruck ist ungleich Geschlechtsidentität“, um feminine Schwule kategorisch von trans Frauen zu trennen. Nachdem ich angemerkt hatte, dass es keinen Grund gäbe, hier zwischen zwei Formen femininer Lebensweisen von biologischen Männern zu diskriminieren, folgte ein Block. Die Diskussion ist damit wohl auch für Dritte nicht mehr auffindbar. Ich bin tatsächlich der Meinung, dass bereits die Unterscheidung von trans Frauen und femininen Schwulen durch den Staat einen wesentlichen Einschnitt in die Freiheitsrechte von schwulen Männern darstellt, der sachlich nicht gerechtfertigt werden kann. Aber das Argument dafür würde stets an den definitorischen Festsetzungen meiner Gegenseite, dass „Geschlechtsausdruck ungleich Geschlechtsidentität“ sei, abprallen. Man versteift sich theoretisch auf Geschlechtsidentitäten und fühlt sich im Recht, das Verhältnis des Staates zu Personen mit anderen Lebensweisen gemäß dieses theoretischen Rahmens ebenfalls zu regeln, d. h., man maßt sich an, die Geschlechtsidentität sogenannter „cis Männer“ zu homogenisieren auf der Basis, dass sie nicht trans sind. 
Ich will daher ein Argument geben, das rein auf der Basis von Geschlechtsidentitäten fungiert, so wie die trans Community diese versteht, und dennoch zeigt, dass die Freiheitsrechte vieler Schwuler damit eingeschränkt werden. Die Gruppe an Männer_FM soll dafür der Ausgangspunkt sein. 

Sexualität und Identität 

Von vielen Vertretern der trans Interpretation von Geschlechtlichkeit wird oft darauf hingewiesen, dass Sexualität und Geschlechtsidentität zwei verschiedene Aspekte einer Person sind, die nicht vermischt werden dürfen. Der Hinweis ist aber eine inkohärente ad hoc-Modifikation ihrer Position. Man sieht sehr schnell, dass Geschlechtsidentität und Sexualität in ihrer eigenen Position stark zusammenhängen müssen, wenn man den Fall von lesbischen trans Frauen betrachtet. Denn lesbische trans Frauen wären heterosexuelle Männer, wenn sie nicht die Geschlechtsidentität einer Frau hätten.
Diese Verbindung von Geschlechtsidentität und Sexualität zeigt sich aber eben auch im Fall von Männer_FM. Es ist genauso ein wesentlicher Teil für Männer_FM, dass sie Männer sind, weil sie heterosexuell sind, wie es für lesbische trans Frauen wesentlich ist, Frauen zu sein, weil sie lesbisch sind. Auch die Aussagen der Pulitzer-Preisträgerin Andrea Long Chu, „Sissy porn did make me trans“, und dass Frau-Sein beinhaltet, „an open mouth, an expectant a**hole“ zu sein, verweisen auch unter der schwächsten möglichen Interpretation zumindest auf einen Anteil des sexuellen Aspekts. Wer meint, dass meine Analogie zwischen lesbischen trans Frauen und Männer_FM hier falsch ist, braucht nur einen Blick in den interkulturellen Kontext zu werfen. Die philippinischen Fa'afafine sind aus einer europäisch-arabisch-russisch-chinesischen Perspektive eine Sammlung von sehr unterschiedlichen, sich feminin präsentierenden biologischen Männern; sie reichen von trans Frauen bis hin zu femininen Schwulen. Männer, die eine Partnerschaft mit einer Fa'afafine eingehen, gelten in deren Kulturkreis als heterosexuell. Wir haben also ein konkretes, gegenwärtig existierendes Beispiel für eine Kultur, die im Wesentlichen die von Simxn_Simxn kritisierten Männer in ihrem Verständnis, heterosexuell zu sein, bestätigt. 
Dieser sexuelle Zusammenhang bzw. die Frage nach Geschlechterrollen (Gender) werden normalerweise negativ im Zusammenhang damit diskutiert, was eine Frau ist, ob trans Frauen Frauen sind oder ob es eine abwertende Reduktion des Frauseins auf eine sexuelle Rolle ist. Das interessiert mich aber weniger. Die Frage, was eine Frau ist, ist Sache von Frauen, und Frauen können sich auch selbst damit herumschlagen. Mich interessieren hier Fragen der Meinungsfreiheit und der Selbstbestimmung, nicht der Ontologie oder des Concept Engineering für die Semantik von Frauen. 

Der wesentliche Punkt für die Meinungsfreiheit ist, dass die folgenden Sätze erst einmal nur theoretische Festsetzungen sind, die teilweise auf dürftigem empirischem Boden stehen: 
  1. „Geschlechtsidentität ist Geschlechtsausdruck.“ 
  2. „Geschlechtsidentität ist nicht Geschlechtsausdruck.“ 
  3. „Es gibt abweichenden Geschlechtsausdruck ohne abweichende Geschlechtsidentität.“ 
  4. „Sexualitätsidentität hängt vom Geschlechtsausdruck des Partners ab.“ 
  5. „Sexualitätsidentität hängt von der Geschlechtsidentität des Partners ab.“ 
  6. „Sexualitätsidentität ist Sexualität bezogen auf das biologische Geschlecht.“ 
  7. „Sexualitätsidentität ist nicht die Sexualität bezogen auf das biologische Geschlecht.“ 
  8. „Die eigene Geschlechtsidentität wird durch die Sexualitätsidentität mitbestimmt.“ 
Aufgrund der dürftigen empirischen Untermauerung ist nicht einmal klar, ob diese Sätze überhaupt Bedeutung haben oder ob sich dahinter nur leere Worte verbergen. Aus dem Grund herrscht hier Meinungsfreiheit in einem viel stärkeren Sinne als nur im rein rechtlichen, dass man auch Falsches sagen können darf. Denn wir wissen zum derzeitigen Zeitpunkt überhaupt nicht, was hier falsch oder richtig ist. Es gibt keinen wissenschaftlichen Konsens darüber und daher nicht einmal eine Grundlage für die Bewertung einer Meinung. 

Ein Fall der Meinungsfreiheit 

Vor diesem Hintergrund kann es nicht dem Staat überlassen werden, den folgenden Satz als wahr oder falsch zu bewerten, weder implizit noch explizit: 
(#) „Trans Frauen sind Frauen, aber feminine Schwule sind Männer.“ 

Für eine trans Frau, die ihre Geschlechtsidentität für etwas wesentlich anderes und Fundamentaleres hält als den Geschlechtsausdruck eines Schwulen, wird dieser Satz wahr sein. Ein Mann_FM wird den Satz mit Nachdruck für falsch halten. 
Der Leidensdruck von trans Frauen wird oft als der wesentliche Unterschied zwischen Geschlechtsidentität und Geschlechtsausdruck angeführt. Eine trans Frau als Mann zu bezeichnen, kann eine erhebliche psychische Belastung darstellen, während es für Twinks, Femboys und Tunten in Ordnung oder sogar positiv sein soll, wenn man ihr Mann-Sein bejaht. Letzteres kann ich eindeutig widerlegen: Ich leide ständig unter der Zuschreibung „Mann“. Ich habe nichts dagegen, wenn mich Menschen als (biol.) Mann sehen, aber ich habe mitunter monatelang anhaltende Episoden psychischen Drucks, wenn von mir männerspezifisches Verhalten auf Basis meiner Biologie verlangt wird. Trans Frauen äußern sich auch teils sehr verächtlich über feminine Schwule wie mich und versuchen, deren feminines Auftreten als Fetisch gegenüber ihrer validen Form des „Frau-Seins“ abzuwerten. Das ist ungerechtfertigt.  Denn ich kann sagen, dass das Tragen von Make-up, Röcken und High Heels für mich persönlich keine Rolle im sexuellen Kontext spielt. Ich weigere mich teilweise sogar, diese einem Partner zuliebe anzuziehen, wenn mir der Aufwand zu groß erscheint. Aber ich kleide mich schon mein ganzes Leben in Kleidung, die ich in der „Damenabteilung“ gekauft habe. Aber wie bereits gesagt: Hier zu vergleichen wird Gläubige des Satzes (2) nicht aus der Ruhe bringen. Daher ziehen wir unseren Vergleich lieber über Satz (8). 
Man beachte, dass Satz (8) sowohl von trans Frauen als auch von Männern_FM bejaht wird, wenn auch aus anderen Gründen. Trans Frauen, die sich sexuell nur für Männer interessieren, müssen Satz (8) zustimmen, weil ihr Interesse an Männern sie nicht zu schwulen Männern macht, sondern zu heterosexuellen Frauen. Männer_FM müssen Satz (8) aber auch zustimmen, weil ihre Geschlechtsidentität als Mann davon abhängt, heterosexuell zu sein. Das Leid der beiden Gruppen, wenn ihre Geschlechtsidentität nicht anerkannt wird, wird dabei vom selben Satz ausgelöst: 

„Du bist doch nur ein Schwuler.“ 

Eine trans Frau wird auf diesen Satz in den meisten Fällen antworten: „Nein, ich bin eine richtige Frau, und mein Interesse an Männern macht mich zu einer heterosexuellen Frau.“ Ein Mann_FM wird sagen: „Nein, ich bin ein richtiger Mann, und mein Interesse an diesen Personen macht mich zu einem heterosexuellen Mann.“ In beiden Fällen ist die Geschlechtsidentität direkt über die Bewertung der sexuellen Aktivitäten der Person betroffen, und diese Bewertung kann zu teilweise starken psychischen Problemen führen. 
Wesentlich ist dabei aber, dass beide Situationen davon abhängen, dass sowohl trans Frauen als auch Männer_FM dem Satz (8) zustimmen. In diesem Sinne ist es eine Frage der Meinungsfreiheit auf Basis von (8) dem Satz (#) zu bejahen oder zu verneinen.  Der Staat sollte hier den Personen nicht die richtige Interpretation vorgeben oder alternative Interpretationen durch Gesetze verhindern. Dies hat eine direkte Verbindung zu einem (möglichen) Selbstbestimmungsgesetz, weil die Selbst- und Fremdinterpretation des Geschlechts von Personen in den Augen des Staates durch ein solches Selbstbestimmungsgesetz geregelt wird.

Ein konkretes Beispiel

Für Menschen, die nicht viel mit der LGBTQ-Community zu tun haben, mag das etwas zu abstrakt sein. Ich gebe daher ein Beispiel mit zwei biologisch männlichen Personen, Rick und Martin.
Rick identifiziert sich als heterosexuell. Seine Sexualpartner sind cis Frauen, trans Frauen, feminine Schwule und unter den Letzteren besonders feminine Twinks. Martin ist so ein femininer Twink. Martin versteht sich nicht als trans Frau, d. h. er ist nicht der Ansicht, dass er auf irgendeine Art ununterscheidbar von Frauen sein sollte. Aber er ist mit einem vorwiegend weiblichen Freundeskreis aufgewachsen und ist leicht als schwul zu erkennen. Er fühlt sich wie viele trans Frauen unwohl auf der Herrentoilette oder in der Männerumkleide, weil er dort oft Anfeindung und Hass gegen seine Femininität ausgesetzt ist, aber er sieht die Lösung seiner Probleme nicht darin, dass er auf die Damentoilette geht.
Martin und Rick lernen sich kennen und beginnen eine Beziehung. Martin hat viele weibliche Freunde und er hat es oft erlebt, wie die Dynamik einer liebevollen Paarbeziehung zwischen Mann und Frau aussieht, und er genießt es, dass sich Rick ihm gegenüber so verhält, wie Männer sich gegenüber Martins Freundinnen verhalten. Rick hat aber eine Identitätskrise und bittet Martin, lieber einen Geschlechtswechsel beim Amt einzugehen, um als heterosexuelles Paar zu heiraten, als das Recht auf die Homo-Ehe zu verwenden. Nach dem Selbstbestimmungsgesetz (so wie es derzeit in Deutschland gilt) ist das möglich, auch ohne Namensänderung und Operationen. Martin entschließt sich dazu, Rick diesen Gefallen zu tun, weil ihm so oder so klar ist, dass er immer schon im „Gender einer Frau“ gelebt hat und er seinen Personenstand nicht im Sinne seines biologischen Geschlechts versteht.
Dass sich Influencer wie Gavin.StJames öffentlich davon distanzieren, nur ein „Housetwink“ (angelehnt an Hausfrau) zu sein, oder dass queere Sexualtherapeuten wie Patrick Hess öffentlich ihre Sorge kundtun, dass schwule Paare heterosexuelle Normen kopieren, zeigt, dass mein Beispiel nicht an den Haaren herbeigezogen ist. Dass einige in der LGBTQ-Community diese Tendenzen bekämpfen, entwertet sie nicht für jene, die sie leben wollen.
Die Transformation von Rick und Martin von einem auf dem Papier schwulen Paar zu einem auf dem Papier heterosexuellen Paar durch die Eintragsänderung von Martin ist aus der Perspektive des Staates dieselbe wie die Transformation eines heterosexuellen Paares zu einem lesbischen Paar durch die Eintragsänderung des Ehemannes.  Man nehme z. B. die Lebenssituation von Dana Mahr und ihrer Ehefrau, die von den beiden selbst prominent gemacht wurde. Dass im Fall von Paaren mit trans Personen der Wunsch und die Durchführung von derselben Person kommen, ist ein rein medizinisch-psychologischer Aspekt, kann aber im Sinne der individuellen Freiheit keine Rolle für den Staat spielen. Es ist auch im Sinne der individuellen Freiheit und des Zusammenlebens in einer diversen und pluralen Gesellschaft, dass das gesetzliche Frau-Sein von Martin von ihm selbst und seinem Partner Rick unterschiedlich interpretiert wird. Eheleute müssen nicht dieselbe Weltsicht haben. Das ist ein wesentlicher Aspekt für das Fortbestehen einer Ehe zwischen einer trans Frau und ihrer Ehefrau.  Letztere wird sich weiterhin als heterosexuelle Frau verstehen, die trans Frau wird sich hingegen in einer lesbischen Beziehung sehen.

Abschlussbemerkung

Ein Staat, der Paaren mit trans Personen auf Basis der Geschlechtsidentität von nur einer Person die Anerkennung als lesbisches Paar ermöglicht, muss auch Paaren ohne trans Personen auf Basis der Geschlechtsidentität nur einer Person die Möglichkeit geben, als heterosexuelles Paar zu gelten. Da die Person mit der wesentlichen Geschlechtsidentität (Rick) nicht dieselbe sein muss wie die Person, die den Geschlechtseintragswechsel vornimmt, (Martin) kann der Geschlechtseintragswechsel kein Argument für den Zugang zu Frauenschutzräumen biologisch weiblicher Personen sein. 
 In diesem Sinne ist die Selbstbestimmung für alle Personen zu öffnen und frei von allen Implikationen für biologisch weibliche Personen zu halten.